Leserbrief an den Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Telekom AG, Herrn Timotheus Höttges

Sehr geehrter Herr Vorstandsvorsitzender, mein Name ist………, ich bin Vorsitzender der oppositionellen …………………. Partei in Ungarn.

Mit meinem Schreiben wende ich mich an Sie, weil wir befürchten, dass ein Vorfall, der den guten Ruf Ihres Unternehmens gefährdet, in Ungarn passiert ist.

Eines der beliebtesten ungarischen on line Portals, ORIGO, hat vor wenigen Wochen in mehreren Artikel berichtet, dass der Minister an der Spitze des Amtes des Ministerpräsidenten, der gleichzeitig einer der einflussreichsten Politiker dieses Landes ist, János Lázár, an ihren Auslandsreisen, an denen er in der Begleitung „eines Dolmetschers“ teilgenommen hat, insgesamt zwei Millionen Forint für jeweils drei Übernachtungen in diversen ausländischen Luxushotels ausgegeben hat.

Der Journalist András Pethö hat in Kooperation mit mehreren ungarischen Zivilorganisationen ein Gerichtsverfahren gegen das Amt des Ministerpräsidenten eingeleitet, um von dort zu erfahren, für welche Zwecke der Minister diese Summe, die mit dem durchschnittlichen Jahreslohn eines ungarischen Beschäftigten vergleichbar ist, ausgegeben hat. Es hat sich herausgestellt, dass die Auslandsreisen keine tatsächlichen Zwecke hatten, oder hätte es solche gegeben, wollte das das Amt des Ministerpräsidenten trotz des rechtswirksamen Gerichtsbeschlusses nicht veröffentlichen.

János Lázár war gezwungen, peinliche Rechtfertigungen abzugeben. Er wollte nicht zugeben, dass er das Geld der ungarischen Steuerzahler für private Reisen ausgegeben hat, er hat jedoch den vollen Betrag in die Kasse des Amtes des Ministerpräsidenten aus seinem Privatvermögen bis zum letzten Forint zurückgezahlt.

Wenige Tage nach diesem Vorfall wurde der Chefredakteur der Nachrichtenseite ORIGO, Herrn Gergö Sáling, gefeuert, laut einer offiziellen Erklärung sei dies einverständlich, wegen einer Umstrukturierung des Portals passiert. Der offiziellen Erklärung widerspricht jedoch, dass der Verfasser der Artikel, András Pethö, mit dem entlassenen Chefredakteur solidarisch war und ebenfalls gekündigt hat, die Redaktion protestierte, indem sie selber die Homepage des Portals gehackt hat. Seitdem ist auch eine Tonaufnahme, die beweist, dass die Entlassung nicht wegen struktureller Änderungen erforderlich war, an die Öffentlichkeit durchgesickert.

Sehr geehrter Herr Vorstandsvorsitzender, der Eigentümer von ORIGO ist der Telefonkonzern Magyar Telekom, deren Mehrheitsbesitzer nun wiederum die Deutsche Telekom AG ist.

Diese Entlassung des Chefredakteurs, die schwer gegen die Meinungsfreiheit, Pressefreiheit und die Presse als Garantin der Demokratie verstößt, erfolgte bei einem Unternehmen, das zu einem großen Konzern mit gutem Ruf gehört, der wiederum in einem nicht zum vernachlässigenden Anteil im deutschen staatlichen Besitz ist.

Dies führte dazu, dass bereits jetzt Gerüchte zu hören sind, nach denen die Deutsche Telekom ein Auge zugedrückt hat, wenn hier die Menschen- und politischen Rechte mit Füßen getreten werden, weil sie auf großzügige staatliche Aufträge hofft, oder eventuell sie befürchtet, dass neue Sondersteuern, die ihren Profit erheblich kürzen könnten, verhängt werden.

Herr Vorstandsvorsitzender, ich darf Sie an den Fakt erinnern, dass Ihr Unternehmen, die Deutsche Telekom AG sich in einem Land betätigt, das aus seinen eigenen schmerzlichen Erfahrungen gelernt hat, und gegenwärtig eines der stabilsten Rechtsstaaten der Welt ist, das als Beispiel für die ganze Welt dienen kann, wenn es um den Schutz der Freiheits-, der Menschenrechte und der Menschenwürde geht. Weit gefächerte Institutionen, jahrzehntelang andauernde Aufklärungsarbeit und eine beispiellose gesellschaftliche Solidarität führen dazu, dass der oben geschilderte Vorfall in Deutschland gar nicht hätte vorkommen können.

Ich bin überzeugt, dass die deutschen Klein- und Großaktionäre, unter ihnen auch der deutsche Staat, nicht dulden würden, dass ein skandalumwobener Politiker einen investigativen Journalisten, der Enthüllungen über ihn veröffentlicht, nur einfach so feuern lassen kann. Ich bin überzeugt, dass diese Werte für sie auch gelten, wenn der Vorfall in einem anderen Land passiert.

Ich bin mir sicher, dass weder die internen Regeln der Deutschen Telekom AG, noch das deutsche Recht, noch der Gerechtigkeitssinn deutscher Aktionäre – für die Sie, Herr Vorstandsvorsitzender auch arbeiten – zulassen, dass die Deutsche Telekom oder ein Tochterunternehmen von ihr die politischen Freiheitsrechte mit Füßen tritt, damit etwas mehr Profit erzielt werden kann. Unter Berücksichtigung des geschilderten Falls bitte ich Sie, den Vorfall vor den Vorstand und der Generalversammlung der Deutschen Telekom AG zu bringen und ihn gründlich untersuchen zu lassen.

Mit freundlichen Grüßen

Budapest, 05.06.2014

3 hozzászólás

 1. Panther V — 2014-06-06 22:29 

Tüchtig.

 3. panamajack — 2014-06-08 22:03 

@marcipan: na ezt most olvastam csak el. És láss csodát, az utolsó mondatban megemlítik a “bekannte ungarische” Ráérünk blogot! 🙂

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